Britische Soldaten in West-Berlin (1945)

Nachdem die Sowjets 1945 Westberlin verließen, erlebten wir den fast geräuschlosen Einmarsch der Engländer im britischen Sektor. Nur der Heulton der britischen LKWs war nicht zu überhören, aber irgendwie angenehm.

Neu war für uns das Aussehen der Transporter ohne Schnauze. Die Uniformen und der gesamte Fuhrpark vom Panzerspähwagen bis zum Jeep waren blitzsauber und mit vielen Kennzeichen bestückt. Die Organisation der militärischen Einrichtungen war vorzüglich. Überall sah man die schwarzen Hinweisschilder mit weißer Aufschrift und den bunten Kennzeichen der einzelnen Armeeeinheiten.

Mit unseren Englischkenntnissen, sogar aus der Zeit des „III. Reiches“, war zu erkennen, was auf den Schildern stand, wie z.B. „Static Laundry“, Hospital usw. Die persönlichen Kontakte zu den britischen Soldaten waren eher mäßig bis zurückhaltend. Britische Pioniere reparierten sofort die zerstörten Brücken und Straßen. Wir schauten zu und bettelten um Gebäck und Schokolade. Nach einer langen Geduldsprobe und Beendigung der Lunchpause, gaben sie uns etwas ab von ihrer Mahlzeit.

Im Winter hatten wir eine Begegnung mit der britischen Militärpolizei. Wir waren mit einem Schlitten unterwegs, der mit einem abgesägten Baum beladen war. Plötzlich stand im Schneetreiben ein Jeep der britischen Militärpolizei vor uns. Uns schlotterten vor Angst die Knie. Theoretisch waren wir dingfest zu machen. Offenbar sah man uns an, dass wir arme, frierende Kinder das Holz dringend brauchten. Nach einer entsprechenden Handbewegung der Rotkäppchenbesatzung durften wir weiter ziehen.

Weihnachten 1945 erlebten wir in einer Baracke der Briten in Berlin-Spandau. Wir wurden mit einer schier umwerfenden Herzlichkeit und Freundlichkeit umsorgt, die wir nicht erwarten konnten. Nach der wunderbaren Weihnachtsfeier erhielten wir Ausweis und Fahrkarte für unsere Verschickung durch die „Aktion Storch“, die gemeinsam mit deutschen Hilfsdiensten für unterernährte Berliner Kinder durchgeführt wurde. Durch die sowjetische Zone ging es bis Helmstedt. Dort wurden wir in Nissenhütten mittels DDT entlaust und mit deutschen Lazarettzügen nach Osnabrück und in den berühmten englischen Heulton-LKWs ins Emsland transportiert.

In Sögel befand sich der polnische Arm der britischen Armee, die Anders-Armee. Sie hatten dort mehrere Häuser requiriert, tranken Bier und Wodka und wollten in Ruhe gelassen werden.

Autor: Peter Bigos

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