Vegetarismus und seine Folgen (1979 bis heute)

Nach meiner Bronchial-Krebs-Operation im Jahr 1979 stellte ich nach und nach meine Lebensgewohnheiten und ganz besonders meine Ernährung völlig um. Der Vegetarismus startete gerade sehr intensiv durch, und ich nehme die neuen Botschaften begeistert auf.

Krankheitsbedingt mag ich sowieso schon lange kein Fleisch mehr essen. In den neuen Kochbüchern über Vollwertkost finde ich Getreidegerichte, die sättigen und mir außerordentlich gut schmecken und auch sehr gut bekommen.

Der Anblick toter Tiere erweckt Abscheu in mir. Immer mehr gewaltig große Stallungen entstehen. Ein Bauer muss riesige Mengen Getreide und Futter anbauen, um diese Tiere zu füttern. Das steht in keinem angemessenen Verhältnis zur Fleischproduktion! Als dann aus Sparsamkeitsgründen auch noch das falsche Futter an die Rinder verfüttert wird, erleben wir den Rinderwahn mit allen seinen schrecklichen Folgen. Und was machen wir, wenn wir unsere Meere leer fischen und auch unseren Planeten, die Erde, immer weiter ausbeuten? Viel zu langsam verstehen die Menschen den ökologischen Sinn des Vegetarismus.

Für mich sind die frischen, bunten Salate, garniert mit Hühnereiern und sogar Blüten (!), von Anfang an regelrechte Festessen und gleichzeitig ein Augenschmaus!

Ich überwinde mein Kranksein, fühle mich nach der Umstellung wieder besser und gesund. Meine Familie ist nicht sofort vom vegetarischen Essen zu überzeugen; eher etwas zögerlich folgt sie mir erst viel später nach!

Wenn ich Fremden von meinen neuen Erfahrungen mit den vegetarischen Speisen erzähle, lachen sie mich aus und verhöhnen mich. Ich muss mich laufend gegen diese Menschen verteidigen, komme mir immer wie eine Missionarin vor, wenn ich erkläre, dass wir unseren Protein- und Fettverzehr ohne/oder mit weniger Fleischrationen verringern können! Ich lerne, dass wir mit der vegetarischen Kost unseren Körper reinigen, sie ist Prophylaxe und Therapie von Krankheiten und sie stärkt unsere körpereigenen Abwehrkräfte, und der vielleicht wichtigste Punkt ist, dass wir noch Geld dabei sparen!

Leider reagieren die Krankenhausküchen schwerfällig auf die neue Kost! Ich erlebe das selbst in der Klinik. Als es mittags Rouladen auf Kartoffelbrei gibt, nimmt mir die Krankenschwester ganz einfach die Roulade wieder vom Teller, denn ein vegetarisches Gericht kann sie mir leider noch nicht anbieten!

Auch die Kantinen in den Großbetrieben zögern lange, bis sie wenigstens ein zusätzliches vegetarisches Gericht auf die Tageskarte setzen, erzählen mir meine berufstätigen Freunde.

Inzwischen sind über 30 Jahre vergangen. Eine Multi-Kulti-Gesellschaft und die dazugehörigen verschiedenen Kulturen haben mit ihren Restaurants eine Vielfalt und große Auswahl an vegetarischen  Gerichten geschaffen – und wir haben somit viel dazugelernt.

Autorin: Marianne P. Wriedt

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