Mutters blaues Fläschchen (1928 bis heute)

Ernstgemeinte Mitteilungen gehen in letzter Zeit durch die Presse. Die alten Kinderkrankheiten, wie zum Beispiel Masern, kommen zurück. Auch die gefährliche Krankheit Tuberkulose (TBC) sei wieder auf dem Vormarsch, heißt es.

Das wundert mich wirklich nicht. Wie oft muss ich beobachten, dass es mit der Hygiene mancher Menschen nicht weit her ist! Besonders sehr junge Männer spucken kräftige „Qualster“ im hohen Boden überall hin. Einfach ekelhaft! Es gibt doch Papier-Taschentücher und dafür überall Abfallbehälter!

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an meine kranke Mutter. Als junge Frau hatte sie schlimme Lungenprobleme. Im Jahr 1938, ich bin fünf Jahre alt, entdecke ich ihr leuchtend blaues Fläschchen mit dem Schraubverschluss, was mein besonderes Interesse erweckt. Mutter nimmt es immer in der Handtasche mit, wenn wir gemeinsam  für eine Besorgung unsere Wohnung verlassen. Bei einem Hustenanfall unterwegs entledigt Mutter sich ihres Sputums in dieses blaue Spuckfläschchen.

In meinem alten, zerlesenen Buch mit dem Titel: „Unser Kind und seine Pflege“*, das meine Mutter bald nach der Geburt meiner älteren Schwester im Juli 1928 vom Standesamt bei der Anmeldung ihres Kindes erhielt, finde ich Hinweise auf dieses Spuckfläschchen und auch auf einen Spucknapf. Und es wird erklärt, wie sich Menschen beim Husten zu verhalten haben:

Durch Vorhalten des Taschentuches vor den Mund beim Husten oder durch Benutzung eines Spuckfläschchens.

Ich frage mich ernsthaft: „Müssen wir das obige Plakat jetzt, rund 80 Jahre später, wieder neu auflegen lassen?“

Autorin: Marianne Paula Wriedt

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