Medienabspielgeräte (50er bis heute)

Medienabspielgeräte in meiner Kindheit im Berlin der fünfziger Jahre

Bei meinen Großeltern bin ich aufgewachsen, in Wilmersdorf. Wir hatten im Arbeitszimmer meines Großvaters ein kleines Röhrenradio auf seinem kleinen schwarzen Tisch stehen. Dorthin verzog er sich, wenn es am Wochenende Fußball gab, mit einem Bier. Soweit ich mich erinnere, hörte ich nicht zu, aber bekam mit, wenn er „Tor!“ schrie oder wie Männer eben Fußballspiele kommentieren.

Ein größeres Radio stand auf dem Küchenschrank. Meine Großmutter hörte sonntags Friedrich Luft, da musste ich ruhig sein. Sonst hörte sie Operettenmusik, die leichte Muse. Sie sang zeitweilig auch mit.

Es wurden auch regelmäßig politische Sendungen gehört. Meine Großeltern kamen aus Leipzig und waren sehr an dem Ost-West-Geschehen interessiert. Soweit ich mich erinnere, lief eines oder beide Radios den ganzen Tag. Ich nutzte es später auch, indem ich das hörte, was die Erwachsenen hörten.

Jugendzeit: Berlin der sechziger Jahre

Als meine Mutter 1966 nach dem Tod meiner Großeltern die Regie im Haushalt und über mich übernahm, kam ein Plattenspieler dazu. Das gefiel mir als Jugendliche. Einen Fernseher hatten wir nicht. Den hat sie sich erst gekauft, als ich mit 17 Jahren aus dem Haus war. Sicherlich besser so.

Taunus: Anfang der siebziger Jahre

Als erstes kaufte ich mir in meinem Großküchenpraktikum einen Radio-Kassettenrekorder. Ein schönes Gerät, das ich leider einem Bekannten lieh – ich sah es nie wieder. Im Gegensatz zu Gleichaltrigen hatte ich wenige Kassetten.

1973 kaufte ich mir mit meinem damaligen Freund einen kleinen orangenen Fernseher. Wie lange ich den hatte, weiß ich nicht mehr. Aber diesen Schwarz-Weiß-Fernseher liebte ich sehr. In meiner Wohngemeinschaftszeit hatte ich kein TV, aber einen Dual-Plattenspieler.

Oh, und dann hatten Uschi und ich uns heimlich von Horst mal eine Platte ausgeliehen, und was passierte? Leider tropfte uns Wachs auf seine Platte. Was hat Horst, der sonst ein so ruhiger Mensch war, für einen Aufstand wegen seiner Platte gemacht!

Hamburg, Anfang der achtziger Jahre

Damals hatte ich auch keinen Fernseher. Ich arbeitete so viel, dass ich gar nicht zum Fernsehen kam. Aber eine Stereo-Anlage hatte ich – die hat recht lange gehalten.

Einen Walkman hatte ich mir auch angeschafft. Mit einer Freundin aus der Schweiz tauschte ich sogenannte Briefkassetten aus. Eigentlich eine ganz tolle Art der Kommunikation. Wir untermalten das mit Musik. Nach einem Streit schickten wir uns die erhaltenen Kassetten zurück. Später habe ich die meisten gelöscht.

Die Geräte der neunziger Jahre

Ich hatte mich aus meiner Beziehung befreit, zog nach Altona und lebte mit meinem kleinen Fernseher und unterschiedlichen Stereoanlagen. Einen Videospieler hatte ich wohl auch, habe aber nur wenige Videokassetten gehabt.

Stattdessen nahm ich viele Radiosendungen auf Kassette auf. Davon habe ich mindestens noch 100 Stück. Inzwischen machte ich Interviews mit einem kleinen Aufnahme-Gerät von Panasonic. Das habe ich noch, damit habe ich Patienten und Überlebende des Holocaust interviewt.

Eine spannende Aufnahme habe ich 1996 in der Nähe von Haifa in Israel mit Lotte gemacht. Sie erzählte ihre Geschichte, wie sie mit dem letzten Auswandererschiff über Ungarn nach vielen Monaten in Israel ankam.

Ab dem Jahr 2000

Inzwischen hielten die unterschiedlichsten Handys bei mir Einzug. 2008 kaufte ich mir mit einem jungen Kollegen gemeinsam ein Handy mit Digitalkamera – Fünf Megapixel, mit Radio und MP 3-Player.

Die Kamera nutze ich bis heute regelmäßig; Ich lernte damit die Digitalfotografie kennen und schätzen.

Das Radio hat einen besseren Klang als meine letzte Stereo-Anlage. Das alte Handy nutze ich noch immer – es ist mir vertraut. Für die Verkäufer in den Handy-Shops ein Dinosaurier.

2000 zog mein Computer ein, gleich mit Internetanschluss.

Zu guter Letzt: Inzwischen höre ich Radio über das Internet, ich kann Programme aus aller Welt empfangen. Das mache ich seit einem Vierteljahr. Es begeistert mich, weil ich mein Englisch durch das Hören englischer Sender auffrische. Die Tonqualität ist mit den einfachen kleinen Lautsprecherboxen gut für meine Ohren.

Meinen Fernseher habe ich 2008 abgeschafft. Inzwischen schaue ich,  wenn ich will, übers Internet die Tagesschau, und anderes im sogenannten Live-Stream an.

So entdecke ich immer wieder Neues. Andererseits sehe ich immer öfter die alten Röhrenradios neu aufgemacht in den Läden, oder auf den Flohmärkten die Original-Geräte aus den fünfziger Jahren zu teuren Preisen.

So schließt sich der Kreis. Der Klang dieser Geräte führt mich wieder in meine Kindheit nach Berlin zu meinen Großeltern. Sie würden sicherlich über diese rasante technische Entwicklung staunen.

Autorin: Petra Müller

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