Helene Lange Gymnasium

Helene Lange-Schule am 2.6.2016
Frau Fielding hatte uns in die zehnte Klasse eingeladen, die sie in diesem Schuljahr betreut. Die Schüler/innen hatten uns vorab einen langen Fragenkatalog zukommen lassen. Dieses Jahr wollten sie nicht nur unsere Erfahrungen mit dem Krieg und Kriegsende wissen, sondern darüber hinaus auch mehr über das Leben nach dem Krieg. Auch was wir über die Verfolgung der Juden wussten und ob wir davon betroffen waren. Das konnte ihnen Herr Simonsohn sehr anschaulich aus eigenem Erleben schildern, während ich es nur mittelbar erläuterte und dabei das Foto des Freundes meines Vaters herumgehen ließ. Er hatte den Freund für einige Zeit versteckt und traf ihn nach Kriegsende wieder. Er half ihm zum Dank bei der Entnazifizierung. Doch dann sprachen wir viel über die Zeit nach dem Krieg in den Schulen und an den Universitäten, wo ein Abitur oder Studium für jedermann fast ausgeschlossen war und Mädchen noch in der absoluten Minderheit. Der Unterricht kostete noch Geld. Von großem Interesse waren meine alten Studienbücher und Lehrtestate. Ich lernte dabei, dass es immer noch das große und kleine Latinum gibt und konnte sie nur auffordern, möglichst mit dem Großen abzuschließen, wenn sie danach studieren wollten. Frau Fielding erklärte ihnen, dass es für bestimmte Studienfächer auch heute noch vorgeschrieben ist. Ich beschrieb ihnen, wie mühselig es in den 50er Jahren war, das große Latinum nachzuholen. Vielleicht hat es ja dem einen oder anderen geholfen. Wilhelm Simonsohn dagegen berichtete, dass es einem auch ohne Studium gelingen kann, eine verantwortungsvolle Position im Beruf zu erreichen. So war es wieder eine sehr erfreuliches Zusammentreffen. Jedes Mal freue ich mich über die Höflichkeit, das Interesse und die Freundlichkeit der Schüler und Schülerinnen.

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