Besuch im Gymnasium Oldenfelde II

Rückmeldung des Lehrers Bernd Schulte zum Besuch der Zeitzeugen in einer 10. Klasse:

„Am 18. Februar 2011 hatten die Geschichtskurse von Frau Kufferath und Bernd Schulte von der 4. bis zur 6. Stunde Gelegenheit, Berichte von zwei Zeitzeugen über die Zeit des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit zu hören.

Die beiden Zeitzeugen, Richard Hensel (Jahrgang 1933) und Peter Petersen (Jahrgang 1923), berichteten anhand eines Fragenkatalogs, der vorher in den Kursen erarbeitet worden war, anschaulich und spannend, zum Teil auch erschütternd, von ihren Erlebnissen und gingen auch freundlich und aufgeschlossen auf spontane Zwischenfragen ein.

In den schriftlichen Berichten der Kursteilnehmer wurden strukturierende Fragen vorgegeben:

  1. Was hat Dich beeindruckt oder Überrascht, so dass Du es gut behalten konntest?
  2.  Welcher Punkt weckte in Dir Zweifel? Wo bist Du skeptisch gegenüber dem Bericht
  3. Überlege, wie Du Dich in einer bestimmten Situation aus den Berichten verhalten hättest!

Es kam die Meldung des jungen Soldaten Petersen als Zauberer, obwohl er vom Zaubern nichts verstand, und seine Selbstausbildung ‚Zauberer in vier Wochen’ in allen drei Bereichen als ungewöhnlich und bemerkenswert vor. Auch die Fahnenflucht mit Versteck bei den Eltern kam mehrfach unter 1. vor (Mut der Eltern, ihn trotz drohender Todesstrafe zu verstecken) und bei 3. (Ich hätte nicht gewagt zu fliehen. Ich hätte mich auch bei meinen Eltern versteckt./ Ich hätte mich nicht bei ihnen versteckt, um sie nicht zu gefährden.)

Aus diesen Berichten zitiere ich im Folgenden einige Ausschnitte zu den drei Aufgaben (sprachlich z. T. leicht geglättet):

zu 1: „Die Zeitzeugenbefragung hat auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen …“

„Die Herren haben sehr spannend und vor allem glaubhaft von ihren Erlebnissen vor, während und nach dem Krieg erzählt. Mich hat vor allem beeindruckt, wie detailgetreu die beiden erzählt haben.“

„Ich fand es sehr überraschend, dass die Zeitzeugen wussten, was man mit den Juden getan hat. Außerdem ist es sehr beeindruckend, dass es auch Menschen gab, die sich gegen das NS-Regime gewehrt haben“.

„Mich beeindruckte die Souveränität der beiden Männer, so frei über ihre Erlebnisse zu erzählen …   Außerdem war ich entsetzt, dass die Menschen, denen es gut ging in der Nachkriegszeit, z. B. Bauern, den Menschen, die nicht genug hatten, um ihre Familie zu ernähren, nicht abgaben, dass ihnen sogar ihre Schweine wichtiger waren als das Wohl ihrer Mitmenschen …“

„Mir ist sehr gut in Erinnerung geblieben, dass der Vater des älteren der beiden Männer zu seinen jüdischen Verwandten sagte, dass sie ausreisen sollten, solange sie es noch könnten, da er wusste, was Hitler mit den Juden vorhatte, weil er das Buch ‚Mein Kampf’ gelesen hatte.“

zu 2.: „…wie z.B. das Entkommen vor den ‚Kettenhunden’ am Bahnhof oder die berufliche Karriere vom Soldaten zum Zauberer, vom Soldaten zum Fahnenflüchtigen, vom Pantomimen zum Schauspieler und zum Rentner/Zeitzeugen. Das hört sich nach einem sehr bewegten Leben an, hat sich an manchen Stellen aber zu unrealistisch angehört. Ich glaube ihm die Geschichte zwar, aber bin mir nicht ganz sicher, ob sie nicht an ein paar Stellen etwas aufgehübscht wurde.“

 „Ich habe beide Männer in keinem Punkt angezweifelt. da für mich ihre Geschichten sehr real klangen. Der ältere von beiden zeigte Bilder von seinen Verwandten, was für mich sehr überzeugend war.  Auch die Art und Weise, wie sie vorgetragen haben, fand ich sehr überzeugend. Als der jüngere von den Männern an einer Stelle abbrach, merkte ich, dass es ihnen an einigen Stellen sehr schwer fiel, uns zu antworten.“

zu 3.: „Als der jüngere Mann erzählte, dass er mit seinen kleineren Geschwistern auf Essensuche war und eine Bäuerin meinte, dass ihr die Kühe wichtiger seien als das Leben der Kinder, hätte ich genauso gehandelt und nichts gemacht. Wer weiß, wozu die Frau in der Lage gewesen wäre!? Ich wäre verletzt und wütend gewesen!“

„Ich hätte mich nicht wie er als Zauberer gemeldet da ich – glaube ich – viel zu viel Angst gehabt hätte erwischt zu werden.“

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